Robbinaer

Das Technikblog aus dem Robbenradio

VURecorder, eine einfache Audio-Capturing-Software

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Programme zur Audio-Aufzeichnung gibt es jede Menge, doch darunter findet sich nur selten eines, das sich auf die einfachsten Aufgaben beschränkt. Während Audacity und co unverzichtbar sind, um bereits aufgezeichnete Dateien zu bearbeiten, möchte man in manchen Situationen eher ein weniger speicherhungriges Programm haben, um ein an der Soundkarte anliegendes Audiosignal aufzuzeichnen.
Bereits seit vielen Jahren leistet mir der von James Chapman entwickelte "VURecorder" für diesen Zweck sehr gute Dienste. Ich nutze ihn als eine unabhängige Aufzeichnungsmöglichkeit für meine Webradio-Sendungen, um nicht auf die etwas unzuverlässigere Mitschnittfunktion des Sendeprogramms angewiesen zu sein. Programm starten, gegebenenfalls die gewünschte Soundkarte und Samplingrate im Hauptfenster auswählen und mit Klick auf "Record" einen Dateinamen vergeben, mehr ist zum Starten einer Aufnahme nicht notwendig. Das Programm zeichnet in den Formaten Wave, FLAC, OGG und WMA auf, ein MP3-Encoder ist aus rechtlichen Gründen nur im unkompilierten Quellcode erhältlich. Während der Vergabe eines Dateinamens kann sogar eine zeitgesteuerte Aufnahme über die Checkboxen "Start" und "Finish" eingerichtet werden, womit sich der Recorder perfekt zum Mitschneiden von Radiosendungen über den line-Eingang der Soundkarte eignet. Es gibt auch eine Split-Funktion, die eine längere Aufnahme in maximal 2 GB große Einzeldateien aufteilt.
Für höchste Ansprüche ist der "VURecorder" allerdings nicht geeignet, da er nur eine Samplingrate von maximal 48000 Hz unterstützt, unabhängig von den Möglichkeiten der gewählten Soundkarte. Auf Systemen mit sehr vielen Eingängen gerät der Recorder ebenfalls an seine Grenzen, da er unter Umständen nicht alle verfügbaren Eingänge anzeigen kann. Hier hilft es aber, die nicht für die Aufnahme benötigten Eingänge/Geräte vorübergehend zu deaktivieren. Dieses Problem dürfte vor allem bei Systemen höher als Windows Vista auftreten, da hier die Audio-Eingänge nicht mehr nach Gerät getrennt sind, sondern jeder Ein- und Ausgang als eigenes Gerät im System auftaucht.

Noch ein Hinweis für Screen-Reader-Nutzer: Das Menü zur Einstellung der Split-Funktion ist mit Alt+Leertaste zu erreichen, lässt sich aber nur blind bedienen. Hal bzw. Super Nova ist der einzige mir bekannte Screen-Reader, der das Menü problemlos auslesen kann. Um den Split-Punkt auf 2 GB einzustellen, muss einfach nur nach Öffnen des Menüs die Curser-nach-oben-Taste einmal gedrückt und die Einstellung mit Enter bestätigt werden.

Direkter Download der Windows-Anwendung: http://www.vuplayer.com/files/vurecordersetup.exe

Tipp: CCleaner ohne Google-Toolbar installieren

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CCleaner hat sich mittlerweile zu einem sehr beliebten Reinigungswerkzeug für Windows- und Mac-Systeme entwickelt. Allerdings hat die Software einen Schönheitsfehler, denn während der Installation wird nach dem Zufallsprinzip die Installation von Google-Produkten angeboten. Dies wäre bei einem kostenlosen Produkt noch zu verschmerzen, wenn sich die Adware problemlos abschalten ließe. Jedoch ist die Checkbox, mit der man die Toolbar bzw. Google Chrome abwählen kann, nicht mit der Tab-Taste im Installer anwählbar und scheint manchmal sogar völlig auf dem Bildschirm unsichtbar zu sein. In diesem Fall sind Screen-Reader-Nutzer sogar im Vorteil, da sie meistens die Checkbox über die Maussteuerung per Tastatur erreichen können. Doch der erste Schritt nach der CCleaner-Installation besteht oft genug darin, die nervigen Mitbringsel wieder von der Festplatte zu putzen. Mag es sich bei CCleaner in der Standardversion auch um ein kostenloses Produkt handeln: eine solche Nötigung der Nutzer ist inakzeptabel.

Etwas versteckt findet sich auf der Produktseite jedoch eine weitere Download-Möglichkeit für CCleaner:
http://www.piriform.com/ccleaner/builds
Auf dieser Seite lässt sich das Programm als portabel nutzbares Zip-Archiv herunterladen, das einfach nur entpackt werden muss. Außerdem findet sich hier ein als "Slim" bezeichneter Installer, welcher ohne Google-Adware ausgeliefert wird, sich ansonsten aber nicht vom normalen Installer unterscheidet. Angeboten wird auf diese Weise nur die Windows-Version. Macintosh-Nutzer werden offenbar nicht mit Google-Software belästigt, ein kurzer Blick in das Installationspaket brachte keine zusätzlichen Komponenten zu Tage. Nachprüfen kann ich es an dieser Stelle jedoch nicht, da mir kein Mac zur Verfügung steht.

Software aus dem Q-Continuum

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Nein, hier geht es nicht etwa um eine Softwareschmiede des allmächtigen Q aus Star Trek, auch wenn eine gewisse Begeisterung für die Science-Fiction-Serie sicher Pate für die Domain gestanden hat.
Christopher Toth dürfte vielen blinden Computernutzern noch durch seinen Twitter-Client "Qwitter" bekannt sein, der ausschließlich per Tastatur und Sprachausgabe bedient werden konnte und auf Programmfenster nahezu völlig verzichtete. Der originale Client wird mittlerweile nicht mehr weiterentwickelt und ist aufgrund von Änderungen in der Twitter-API nicht mehr funktionsfähig. Nach dem Aus des Clients entwickelten sich jedoch einige Abspaltungen, die sich noch immer großer Beliebtheit erfreuen. "The Qube" ist eine davon und wurde erst kürzlich auf die neue Twitter-API aktualisiert.

Christopher Toth hingegen widmete sich anderen Softwareprojekten, die er unter der Firmierung "Q Software Solutions" als kostenpflichtige Anwendungen für Windows und Mac anbietet:

  • QRead, ein Leseprogramm für elektronische Literatur, unterstützt die Formate PDF, EPub, Bookshare Daisy, DocX, CHM und TXT.
  • QCast, ein sogenannter Podcatcher, der das Anhören und Herunterladen von Podcasts erlaubt. Dabei ermöglicht das Programm auch die Fortsetzung unterbrochener Episoden, das Spulen innerhalb einzelner Episoden und die Änderung der Wiedergabegeschwindigkeit.
  • QFeed, ein einfacher RSS-Reader.
  • Hope, ein Interface für den Musikdienst Pandora, der jedoch nur in den USA genutzt werden kann.

Alle Programme können als Demoversion für Windows und Macintosh heruntergeladen werden, die Freischaltung zur Vollversion ist mit umgerechnet etwa 7 Euro möglich. Derzeit kommen QFeed und QCast offenbar noch nicht mit allen RSS-Feeds klar, so zum Beispiel solche Feeds, die aus nur einem Eintrag bestehen (Yahoo-Wetter) oder kein korrektes Aktualisierungsdatum angegeben haben. An einer Beseitigung dieses Fehlers wird jedoch bereits gearbeitet.

Homepage mit weiteren Infos: http://q-continuum.net/

Im Übrigen arbeitet Christopher Toth auch wieder an einem Twitter-Client, der jedoch einer anderen Bedienphilosophie folgen soll und auf den Hunger verursachenden Namen "Chicken Nugget" hört.

Opera Mail

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Nachdem in dieser Woche die neue Version des Browsers Opera erschien, las ich heute eher zufällig, dass der interne, bislang als "M2" bezeichnete Mailclient des Browsers nun in eine eigenständige Anwendung ausgelagert wurde und als Testversion heruntergeladen werden kann. Eigentlich erstaunlich, da der allgemeine Trend in Sachen E-Mail doch eher weg von den Clients und hin zur Webanwendung geht. Grund genug, mir den als "Opera Mail" bezeichneten Mailclient einmal anzuschauen, natürlich auch die Bedienbarkeit für blinde Nutzer.

Die Ernüchterung kam schon beim Aufruf des Windows-Installers. Statt sich eines quasi-standardisierten Setup-Systems wie etwa NSIS zu bedienen, kommt Opera Mail offenbar mit einem eigenen Installationssystem daher, bei welchem es an der Zugänglichkeit stark mangelt. Mit NVDA war es mir nicht möglich, auch nur eine einzige Schaltfläche oder sonstigen Text auszulesen. Nach Druck auf "Escape" wurde lediglich die Frage, ob man die Installation denn wirklich abbrechen wolle, korrekt vorgelesen. Da ich mich von solchen Dingen aber nicht gleich abschrecken lasse, versuchte ich es einfach mal mit einem beherzten "Enter" und wurde prompt belohnt, die Installation lief ohne weitere Probleme ab.

Opera Mail meldet sich beim ersten Start mit einem Einrichtungs-Assistent für die Mailkonten bzw. dem Mailimport. Und hier zeigt sich, dass auch die Software alles andere als zugänglich ist. Zwar konnte ich das Programmfenster grundsätzlich auslesen, allerdings fehlen hier jegliche Tastenbefehle. Es war mir nicht mal möglich, mit "Tab" durch die verschiedenen Eingabefelder und Auswahllisten zu navigieren, eine Bedienung war nur mit der Maus oder einer virtualisierten Maussteuerung per Tastatur möglich. Außerdem fehlten etliche Beschriftungen, sodass es beinahe unmöglich war, z. B. die Eingabefelder für die Account-Daten korrekt auszufüllen. An diesem Punkt musste auch ich kapitulieren und habe Opera Mail wieder freundlich aus meinem System gebeten, wobei auch die Deinstallation zwar einfach, aber ebenso unzugänglich war wie schon die Installation.

Somit ist Opera Mail vorerst leider keine Alternative zu den ohnehin nur wenigen, für Blinde nutzbaren Mailclients. Der Opera-Browser ist in seiner neuen Version "Opera Next" übrigens ebenso wenig sinnvoll nutzbar. Zwar ist hier die Installation sogar zugänglich und auch die Programmmenüs werden offenbar weitgehend ausgelesen, doch trotz der neuen Browser-Engine ist ein Navigieren auf Webseiten kaum möglich. Ob sich in Opera noch spezielle Zugänglichkeitsoptionen einschalten lassen, habe ich allerdings nicht weiter erforscht.

Miranda NG

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Der Multi-Messaging-client Miranda IM dürfte Windowsnutzern sicherlich ein Begriff sein. Mitte letzten Jahres haben sich viele der am Projekt beteiligten Entwickler wegen Unstimmigkeiten bei der Weiterentwicklung von Miranda IM dazu entschlossen, in Zukunft eigene Wege zu gehen und gründeten ein neues Projekt.
Miranda NG (New Generation) ist dabei nicht einfach nur ein individuell zusammengestelltes Miranda-Paket, wie es sie mittlerweile zu Dutzenden gibt, sondern eine komplett eigenständige Codebasis. Das heißt, der ursprüngliche Miranda-Quellcode wurde dank der Open-Source-Lizenz überarbeitet und hat sich inzwischen derartig vom ursprünglichen Miranda entfernt, dass für Miranda IM geschriebene Plugins mit Miranda NG nicht mehr kompatibel sind.

Auf den ersten Blick erinnert Miranda NG jedoch immer noch stark an Miranda IM. Die Menü- und Einstellungsstruktur ist weitgehend identisch, ebenso die Ordnerstruktur des Programmverzeichnisses. Warum man das neue Projekt trotzdem im Auge behalten sollte, zeigt sich bei einem Blick in die Roadmap: Neben der Implementierung von Funktionen in den Programmkern, die bisher gar nicht oder nur als Plugin verfügbar waren, wird mit der Version 0.97 die Möglichkeit für Sprach- und Videotelefonate über SIP und dem bei XMPP (Jabber) verwendeten Jingle-Protokoll angestrebt. Schon jetzt gibt es ein Skype-Plugin als Testversion, welches ohne ein zusätzlich geöffnetes Skype auskommt und stattdessen auf dem Skype-Kit basiert. Bisher arbeitet dieses Plugin allerdings nur sehr rudimentär und erlaubt lediglich das Versenden von Chatnachrichten.

Die Liste der Plugins ist schon jetzt beeindruckend lang. Viele der alten Miranda-Plugins wurden für Miranda NG angepasst und stehen auf der Webseite als 32- und 64-Bit-Versionen zum Download bereit, darunter auch die für blinde Nutzer geeignete Kontaktliste, ohne die sich Miranda NG mit Screen-Readern gar nicht oder nur eingeschränkt nutzen lässt. Jedoch mangelt es bisher noch an Dokumentation, zu vielen Plugins gibt es keinerlei Beschreibung.
Dennoch: Miranda NG hat das Potential, das alte Miranda IM irgendwann zu überholen.

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