Robbinaer

Das Technikblog aus dem Robbenradio

MPC-HC: Entwicklung des Allround-Medienspielers wird eingestellt

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Der nächste Mediaplayer für Windows steht vor dem Aus: Nachdem bereits das populäre Winamp nur noch inoffiziell mit Patches und Plugins am Leben erhalten wird, und eine neue Hauptversion wohl ewig auf sich warten lässt, hat nun auch der Hauptentwickler des MPC-HC-Projektes mit Freigabe der Version 1.7.13 das vorläufige Ende des Allround-Mediaplayers bekanntgegeben. Hauptgrund hierfür ist die schwindende Zahl an Entwicklern, die zum Schluss gegen 0 ging.

Wirklich alles vorbei?

Der "Media Player Classic - Home Cinema" beendet damit seine 11-jährige Entwicklungsgeschichte. Allerdings liegen die Ursprünge des Players noch weiter zurück, da bereits MPC-HC eine Weiterentwicklung ist und auf dem "Media Player Classic" basiert, der 2006 offiziell eingestellt wurde und sich wiederum als quelloffener Nachbau des aus Windows 98 bekannten Mediaplayers präsentiert hatte. Da folglich auch der Quellcode von MPC-HC frei verfügbar ist, sollte einer Weiterentwicklung theoretisch nichts im Wege stehen. Eine Abspaltung, die unter dem Namen "Media Player Classic - Black Edition" auf SourceForge heruntergeladen werden kann, existiert seit 2012 und wird seither mit Fehlerbehebungen und neuen Funktionen ausgestattet.

Ob es tatsächlich noch einmal eine Fortführung oder Abspaltung des Players geben wird, ist angesichts der momentanen Entwicklungen im Medienkonsum jedoch fraglich. Die schwindende Zahl an Entwicklern könnte ein Indiz dafür sein, dass Streaming von Videos und Musik wichtiger geworden sind als das Verwalten und Abspielen lokaler Medienbestände. Ich persönlich habe MPC-HC sehr gern genutzt, auch um einige Dateiformate abzuspielen, die längst musealen Wert haben dürften. Natürlich wird der Player auch weiterhin funktionieren, denn ein Ende der Entwicklung bedeutet ja nicht gleich das Ende jeglicher Betriebssystem-Unterstützung. Bedauerlich ist es trotzdem.

Als ähnlich schlanke Alternative gäbe es jetzt noch den MPlayer, dessen aktuellste Abspaltung MPV auch für Windows verfügbar ist, jedoch das Herunterladen eines weiteren Tools erfordert, möchte man den Player über ein GUI bedienen.

CHARM: Dem Computer bei der Arbeit zuhören

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Das nenne ich mal eine interessante Idee. Statt sich darüber zu ärgern, wenn das System mal wieder festhängt, kann man die dadurch entstehende Wartezeit in Klangkunst verwandeln.
CHARM von DraggonApps.org dient genau diesen Zweck. Das Tool ermittelt die Auslastung von Prozessor, RAM, Festplatte und Netzwerk, und wandelt diese Werte in Klangbilder um. Der Fantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt, wie ein Blick in die bereits mitgelieferten Sounds zeigt. Eher klassisch wirken die Ventilatoren, die sich bei steigender Systembelastung schneller drehen. Man kann seinen Rechner jedoch auch in ein Fußballstadeon verwandeln, in welchem die Menge bei zunehmender Arbeit vollkommen ausrastet, als wäre gerade ein Traumtor gefallen. Oder wie wäre es mit einem Vulkan, dessen Lavamassen sich aus den Lautsprechern ergießen, wenn man seinen Rechner zu Höchstleistungen antreibt? Sanftere Naturerlebnisse bieten dagegen Soundpacks mit Regen, Wasser und Windspielen. Sogar die Brücke der Enterprise aus Star Trek TNG lässt sich als kultige Untermalung der täglichen Aufgaben am Computer herbeizaubern. Wem das nicht genug ist, kann ganz einfach eigene Soundpacks erstellen. Was dazu benötigt wird, ist auf der Webseite des Windows-Tools in englischer Sprache detailiert beschrieben.

Auch für Tastaturnutzer sinnvoll: Virtuelle Desktops unter Windows 10

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Für Linux-Nutzer sind sie längst ein alter Hut, seit Windows 10 lassen sie sich nun auch unter Microsofts Betriebssystem nutzen. Virtuelle Desktops bringen Ordnung in das Fensterchaos, wenn selbst ein großer HD-Bildschirm zu klein ist, um noch die Übersicht zu behalten. Doch nicht nur für Bildschirmnutzer können virtuelle Arbeitsoberflächen nützlich sein, auch mit der Tastatur lassen sich auf diese Weise viele Programmfenster bequem organisieren. Ein Praxisbeispiel gefällig?

Bekanntlich stelle ich für meine Radiosendungen die Software selbst zusammen, und nutze keine überteuerten Streaming-Komplettlösungen. Was die Software einerseits zwar sehr preisgünstig macht, kann andererseits jedoch für weniger Nutzungskomfort und einen Wust an Programmen und Programmfenstern sorgen. Musik, Jingles, Werbung, Show-Recorder, Streamer, Browser; für jede Aufgabe muss ein eigenes Programm her, und wenigstens die Hälfte davon bringt ein eigenes Fenster mit. Als Tastaturnutzer gerät man da mal schnell ins Schleudern, wenn zwischen all diesen Programmen während einer Sendung umgeschaltet werden muss. Nutzer des Screen-Readers JAWS konnten sich bislang mit der in den Bildschirmleser integrierten Fensterliste behelfen, um gezielt die richtige Anwendung herauszusuchen. Neuerdings gibt es eine ähnliche Fensterliste aber auch als Windows-Feature. Sie ist mittels der Tastenkombination Windows+TAB erreichbar, und enthält ebenfalls eine Liste aller aktiven Programmfenster. Nicht enthalten sind solche Programme, die ihr Fenster über ein Infobereichssymbol minimiert haben, bzw. überhaupt keine Programmoberfläche mitbringen. Die Liste dieser Anwendungen lässt sich stattdessen wie üblich mit der Tastenkombination Windows+B aufrufen.

Zurück zur Liste der aktiven Anwendungen. Darüber kann die gewünschte Anwendung nämlich nicht nur aufgerufen werden, sondern lässt sich über das Kontextmenü auch beliebig auf dem aktuellen Desktop andocken oder auf einen anderen Desktop verschieben, sofern ein solcher angelegt wurde. Ein Druck auf TAB wechselt zwischen der Anwendungsliste und der Liste der virtuellen Desktops. Die Schaltfläche "Neuer Desktop" erstellt einen weiteren Desktop. Auf diese Weise lassen sich sämtliche geöffneten Programmfenster beliebig gruppieren. Anwendungen, die während einer Live-Sendung nur untergeordnete Bedeutung haben, wie etwa Recorder und Streamer, verschwinden also einfach aus dem Navigationsbereich.
Damit die Fenster tatsächlich bei der Tastaturnavigation verschwunden bleiben, sollten unter Einstellungen -> System -> Multitasking noch einige Werte geprüft werden:

  • In der Taskleiste Fenster anzeigen, die geöffnet sind auf: Nur auf dem aktuell verwendeten Desktop
  • Beim Drücken von ALT+TAB Fenster anzeigen, die geöffnet sind auf: Nur auf dem aktuell verwendeten Desktop

und schon herrscht Ordnung im Fenstergewirr. Mittels ALT+TAB bzw. Windows+TAB tauchen nur noch die Programme des aktuellen Desktops auf. Um schneller auf einen anderen Desktop zu gelangen, drückt man die Tastenkombination STRG+Windows+Pfeil links oder rechts. Danach sind die Programmfenster des zweiten Desktops wieder erreichbar, währenddessen die der anderen Desktops ausgeblendet bleiben.

Golden Cursor: Nützliches Maussteuerungs-Addon für den Bildschirmleser NVDA

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Der quelloffene Windows-Bildschirmleser NVDA unterstützt von Haus aus nicht nur die Navigation per Tastatur, sondern erlaubt auch die Verfolgung von Mausbewegungen. Neben der Objektnavigation, welche auch das Anspringen per Tabstop- und Cursornavigation unzugänglicher Programmelemente gestattet, erhöht die Benutzung einer Maus die Zugänglichkeit in manchen Anwendungen nochmals deutlich. Mitunter ist die Mausverfolgung sogar schneller als das eher gewöhnungsbedürftige Gehangel zwischen den strukturierten Objekten einer Anwendung, die oftmals nicht logisch angeordnet sind.

Mit dem Addon Golden Cursor gibt es jetzt eine nützliche Erweiterung der Maussteuerung. Sie ermöglicht es nicht nur, die Mausbewegungen komplett per Tastatur zu steuern, sondern erlaubt auch das Speichern von Mauspositionen. Hat man beispielsweise eine Anwendung, in der mehrere Bedienelemente zwar auslesbar, aber nur per Maus erreichbar sind, lassen sich die Bildschirmpositionen (in Pixelwerten) jedes dieser Bedienelemente in einer Liste speichern und können durch Tastendruck sehr komfortabel angesprungen werden. Es genügt dann ein entsprechender Mausklick, der ohnehin schon auch per Tastatur ausgelöst werden kann, um das Bedienelement zu aktivieren.

Ein Beispiel hierfür sind die im Freeware-Telefonieprogramm PhonerLite nur schwer zugänglichen Symbole für Lautsprecher und Mikrofon, welche mit einem Rechtsklick die Auswahl des gewünschten Audiogerätes erlauben. Diese Symbole sind gänzlich unbeschriftet, sodass man sie zwar mit der Maus erreichen kann, dabei aber keinerlei Rückmeldung der Sprachausgabe erhält. Mit dem Golden-Cursor-Addon ist es möglich, die Positionen der Symbole einmalig zu ermitteln, und danach als Sprungmarke in einer Liste abzuspeichern. Solange sich bei Programm-Updates an der Position der Symbole nichts ändert, sind sie damit ab sofort zielsicher erreichbar.

Natürlich gibt es beim Einsatz dieser Erweiterung auch einige Dinge zu beachten. Da die Mauspositionen als Pixelwerte abgespeichert werden, dürfte es schwer sein, seine eigenen Sprungmarken zu exportieren, um sie anderen zur Verfügung zu stellen. Dies funktioniert nur dann, wenn auf anderen Systemen die exakt gleiche Bildschirmauflösung verwendet wird, da sonst die Pixelpositionen logischerweise nicht übereinstimmen. Auch ist es ratsam, jede Anwendung erst zu maximieren, bevor man Positionslisten erstellt.

Die Erweiterung ist momentan noch nicht als stabil gekennzeichnet, tut aber bereits jetzt ihren Dienst. Einzig die standardmäßig eingerichteten Tastenkombinationen sind mitunter ziemlich akrobatisch, lassen sich jedoch allesamt in den Eingabe-Einstellungen umdefinieren. Golden Cursor gehört für mich schon jetzt in die Liste der Addons, die standardmäßig nach einer NVDA-Installation eingebunden werden. Auch wenn die Maussteuerung zum Glück nur in relativ wenigen Anwendungen wirklich notwendig ist, erleichtert der Golden Cursor die Arbeit damit ungemein.

Seafile-Client für Windows ist jetzt mit Screen-Reader zugänglich

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Als Lösung für selbstgehostete Cloud-Dienste dürften OwnCloud und Seafile wohl momentan die führenden Anwendungen sein. Für Screen-Reader-Nutzer beschränkte sich die Auswahl bislang auf OwnCloud, da sowohl dessen Weboberfläche, als auch die Desktop-Clients weitgehend zugänglich sind. Bei Seafile hingegen ist zwar die Weboberfläche sehr gut für uns nutzbar, jedoch hatten die Desktop-Clients leider keine Zugänglichkeitsschnittstellen integriert. Schade eigentlich, macht Seafile doch einen wesentlich stabileren Eindruck als die wuchtige OwnCloud, bei der jedes Update ein Spiel mit dem Feuer zu sein scheint, und von Zuverlässigkeit im laufenden Betrieb auch oft nicht die Rede sein kann.

Eher zufällig bin ich heute mal wieder auf Seafile und dessen Windows-Client gestoßen, der inzwischen die Version 5 erreicht hat und offenbar auf Qt5 aktualisiert wurde. Da in Qt5 für Entwickler keine zusätzlichen Accessibility-Plugins mehr notwendig sind, sollte die Chance auf zugängliche Qt-Anwendungen also durchaus gegeben sein. Im Changelog des Seafile-Clients findet sich dazu aber lediglich die Bemerkung "UI improvements". Neugierig geworden, ob sich in Sachen Zugänglichkeit nicht doch inzwischen etwas getan hat, habe ich mir flink auf Seacloud.cc zum Testen ein Nutzerkonto erstellt und mir den Client für Windows installiert. Und siehe da: Wo vor ein paar Versionen noch keinerlei Informationen für den Screen-Reader bereitstanden, war das erste Einrichten nach der Installation nun völlig problemlos möglich. Seafile-Ordner auswählen, Anmeldedaten eingeben und eine Bibliothek anlegen, alles ging mit dem quelloffenen Bildschirmleser NVDA sehr reibungslos. Lediglich einige Dialoge sind noch nicht hundertprozentig nutzbar, darunter der interne Seafile-Dateibrowser und Detail-Dialoge für erstellte Bibliotheken. Diese Funktionen benötigt man aber in der Regel nur selten und kann sie auch über das lokale Dateisystem oder im Webinterface nutzen. Ist der Client einmal eingerichtet, kann er ohnehin weitgehend unbeachtet im Hintergrund laufen. Hochladen und Freigeben von Dateien funktioniert dann ähnlich wie bei Dropbox und Owncloud, also einfach die gewünschten Daten in die Seafile-Bibliothek kopieren, und über das Explorer-Kontextmenü Freigabe-Links erstellen.

Ob die Seafile-Clients auf anderen Betriebssystemen ähnlich gut nutzbar sind, habe ich bisher noch nicht getestet. Der Mac-Client steht momentan noch bei Version 4, die Linux-Desktopversion wurde hingegen ebenfalls auf Version 5 aktualisiert. Letztere wird als Deb-Paket ausgeliefert und soll ab Ubuntu 12.04 lauffähig sein.

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