Chicken Nugget, ein zugänglicher Twitter-Client

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare
Kategorisiert in : Software Schlüsselwörter : A11Y, Twitter, Windows

Ein Name der hungrig macht: "Chicken Nugget" heißt der neue Twitter-Client des blinden Software-Entwicklers Christopher Toth, dessen erstes Twitter-Projekt unter dem Namen "Qwitter" sich schon großer Popularität bei blinden Twitternutzern erfreuen konnte. Nachdem die Weiterentwicklung von Qwitter jedoch eingestellt wurde, gab es nur noch einige Abspaltungen auf Basis des frei verfügbaren Quellcodes, die jedoch nichts mehr mit dem ursprünglichen Entwickler zu tun hatten.

Christopher Toth hingegen widmete sich anderen Softwareprojekten, welche er im Gegensatz zum Qwitter-Client nicht mehr als quelloffene Software anbot. Diese Software wurde hier bereits vorgestellt und wird unter dem Namen "Q Software Solutions/ Accessible Apps" kostenpflichtig angeboten. Auch ein neuer Twitter-Client befand sich bereits längere Zeit in Entwicklung und wurde Anfang Januar unter dem Namen "Chicken Nugget" offiziell freigegeben.

Der neue Client bringt einige Funktionen mit, die es bereits bei Qwitter gab. So ist es auch weiterhin möglich, die Grundfunktionen von Twitter ausschließlich per Tastatur und Sprachausgabe zu bedienen, ohne ein störendes Programmfenster. Wenige Tastenkombinationen reichen aus, um Twitter-Nachrichten zu lesen oder neue Tweets zu verfassen. Wer mehr aus Twitter herausholen möchte, kann in das Programmfenster von "Chicken Nugget" wechseln und bekommt sämtliche verfügbare Funktionen des Clients angezeigt. Möglich ist nahezu alles, was auch die Twitter-Webseite bietet: Tweets, Direktnachrichten und Erwähnungen lesen, Retweets, Favoriten und Listen verwalten, Infos über Freunde, Follower und andere Nutzer einsehen, Twitter-Trends verfolgen und Suchanfragen starten. Zudem bietet "Chicken Nugget" einige Extras, wie etwa die Verwaltung mehrerer Twitterkonten, das Betrachten kompletter Konversationen in einer Liste, das Absenden von Audio-Tweets oder das Setzen von Lesezeichen, um nach einem Neustart des Clients bei der zuletzt gelesenen Nachricht weiterzumachen.

Das Programm ist für 15 Dollar von der Webseite des Entwicklers erhältlich, die auch eine kostenlose Demoversion des mehrsprachigen Twitter-Clients als Installationsdatei oder portables Archiv für USB-Sticks anbietet: www.q-continuum.net. Bislang steht "Chicken Nugget" nur als Version für Windows zur Verfügung.

Debian Wheezy: Orca lässt sich in manchen Programmfenstern nicht unterbrechen

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare
Kategorisiert in : Software Schlüsselwörter : A11Y, Debian, Linux, OpenSource, Orca

In manchen Einstellungs- und Programmfenstern kommt es vor, dass sich der Screen-Reader Orca nicht unterbrechen lässt, wenn man sich beispielsweise mit der Tab-Taste durch die Bedienelemente eines Fensters bewegt. Das hat zur Folge, dass man sich jedes Bedienelement bis zum Ende vorlesen lassen muss, ob man will oder nicht. Bei bereits bekannten Programmfenstern gelangt man auf diese Weise nur sehr langsam zum Ziel, sofern keine braillezeile zusätzlich zur Sprachausgabe zur Verfügung steht. Ganz zu schweigen davon, dass dieses Verhalten des Bildschirmlesers einem ziemlich auf die Nerven gehen kann.

Verantwortlich hierfür ist ein Bug im Zusammenhang mit der Clutter-Grafikbibliothek, der in neueren Gnome-Versionen offenbar schon behoben ist, nicht aber bei der in Debian Wheezy enthaltenen Version 3.4.2. Ein Update aus neueren Paketquellen könnte in diesem Fall helfen. Wer jedoch sein System möglichst stabil halten und nicht auf Testing-Pakete zurückgreifen möchte, kann sich mit folgendem Workaround behelfen.

  1. Ein Terminal im aktuellen Benutzerverzeichnis öffnen
  2. mkdir -p ~/.config/clutter-1.0
  3. cd ~/.config/clutter-1.0
  4. Mit dem Editor eurer Wahl eine leere Datei namens settings.ini anlegen und Folgendes eintragen:
    [Environment]
    EnableAccessibility=false
  5. Die Datei abspeichern und das Terminal wieder schließen

Auch wenn mit dieser Anweisung die Clutter-Zugänglichkeit vorübergehend ausgeschaltet wurde, kann Orca nun die Programmfenster wieder korrekt vorlesen und ist bei Bedarf auch zum Schweigen zu bringen. Testen lässt sich das beispielsweise in den Systemeinstellungen (Anwendungsmenü -> Systemwerkzeuge -> Einstellungen -> Systemeinstellungen).

Gnome Classic: Desktop für Orca lesbar machen

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare
Kategorisiert in : Software Schlüsselwörter : A11Y, Gnome, Linux, OpenSource, Orca

Bei einer frischen Debian-Installation zeigt der Screen-Reader Orca im Desktop-Modus "Gnome Classic" standardmäßig keinen Desktop an bzw. kann diesen nicht auslesen. Stattdessen werden nur das obere und untere Kantenpanel angezeigt. Natürlich ist der Desktop trotzdem vorhanden. Um ihn für Orca "sichtbar" zu machen, muss Folgendes ausgeführt werden:

  • ALT+F2 drücken und im Ausführen-Dialog eingeben: gnome-tweak-tool
  • Im sich nun öffnenden Fenster den Register "Arbeitsfläche" auswählen, was standardmäßig schon der Fall sein sollte
  • Die Option "Have Filemanager handle the Desktop" suchen und mit der Leertaste aktivieren
  • Falls benötigt, weitere Symbole der Einstellungsseite anhaken (Computer, Home, Trash etc)
  • Fenster mit ALT+F4 wieder schließen

Nun sollte der Desktop für Orca sichtbar sein und man kann mittels STRG+ALT+Tab zwischen Desktop und den Kantenpanels umschalten.
(Vielen Dank an @dave090679!)

WordPress-Tipp: Zugänglichkeitsmodus zum Bearbeiten der Widgets

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare
Kategorisiert in : Software Schlüsselwörter : A11Y, OpenSource, WordPress

Ein Tipp, mit dem ich kürzlich einem blinden WordPress-Nutzer in einer Mailingliste weiterhelfen konnte:
Um in einem WordPress-Theme die sogenannten Widgets, also die verschiedenen Inhaltsbereiche der Seitenleisten zu verschieben, gibt es für Screen-Reader-Nutzer einen Zugänglichkeitsmodus. Diesen aktiviert man im Design-Menü auf der Seite "Widgets" und dort im Aufklapp-Menü "Optionen". Damit lassen sich die Widgets ohne "Drag-and-Drop" der Seitenleiste hinzufügen, konfigurieren und beliebig positionieren.

Eine solche Option gibt es übrigens auch für Dotclear, hier ist sie im Benutzerprofil auf dem Register "Meine Optionen" zu finden. Wird die Option "JavaScript-Werkzeug zum Drag-and-Drop-Ordnen von Einträgen abschalten" aktiviert, lassen sich auch in Dotclear die Widgets der Seitenleiste sehr viel einfacher bearbeiten, sogar noch viel bequemer als bei WordPress.

Software aus dem Q-Continuum

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare
Kategorisiert in : Software Schlüsselwörter : A11Y, Windows

Nein, hier geht es nicht etwa um eine Softwareschmiede des allmächtigen Q aus Star Trek, auch wenn eine gewisse Begeisterung für die Science-Fiction-Serie sicher Pate für die Domain gestanden hat.
Christopher Toth dürfte vielen blinden Computernutzern noch durch seinen Twitter-Client "Qwitter" bekannt sein, der ausschließlich per Tastatur und Sprachausgabe bedient werden konnte und auf Programmfenster nahezu völlig verzichtete. Der originale Client wird mittlerweile nicht mehr weiterentwickelt und ist aufgrund von Änderungen in der Twitter-API nicht mehr funktionsfähig. Nach dem Aus des Clients entwickelten sich jedoch einige Abspaltungen, die sich noch immer großer Beliebtheit erfreuen. "The Qube" ist eine davon und wurde erst kürzlich auf die neue Twitter-API aktualisiert.

Christopher Toth hingegen widmete sich anderen Softwareprojekten, die er unter der Firmierung "Q Software Solutions" als kostenpflichtige Anwendungen für Windows und Mac anbietet:

  • QRead, ein Leseprogramm für elektronische Literatur, unterstützt die Formate PDF, EPub, Bookshare Daisy, DocX, CHM und TXT.
  • QCast, ein sogenannter Podcatcher, der das Anhören und Herunterladen von Podcasts erlaubt. Dabei ermöglicht das Programm auch die Fortsetzung unterbrochener Episoden, das Spulen innerhalb einzelner Episoden und die Änderung der Wiedergabegeschwindigkeit.
  • QFeed, ein einfacher RSS-Reader.
  • Hope, ein Interface für den Musikdienst Pandora, der jedoch nur in den USA genutzt werden kann.

Alle Programme können als Demoversion für Windows und Macintosh heruntergeladen werden, die Freischaltung zur Vollversion ist mit umgerechnet etwa 7 Euro möglich. Derzeit kommen QFeed und QCast offenbar noch nicht mit allen RSS-Feeds klar, so zum Beispiel solche Feeds, die aus nur einem Eintrag bestehen (Yahoo-Wetter) oder kein korrektes Aktualisierungsdatum angegeben haben. An einer Beseitigung dieses Fehlers wird jedoch bereits gearbeitet.

Homepage mit weiteren Infos: http://q-continuum.net/

Im Übrigen arbeitet Christopher Toth auch wieder an einem Twitter-Client, der jedoch einer anderen Bedienphilosophie folgen soll und auf den Hunger verursachenden Namen "Chicken Nugget" hört.

Artikel-Feed (RSS) dieser Tag