Robbinaer

Das Technikblog aus dem Robbenradio

Miniflux: Schlanker RSS-Reader auf PHP-Basis

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Der Zufall wollte es, dass ich mal wieder meinen RSS-Reader wechsle. Mit FreshRSS war ich zwar bislang recht zufrieden, doch hier und da haben mich mit der Zeit einige Dinge etwas gestört. Hauptpunkt dürfte wohl die Zugänglichkeit via Bildschirmleser gewesen sein, die an einigen Stellen nur sehr rudimentär möglich war, da die meisten der mit Grafiken versehenen Bedienelemente kaum oder gar nicht mit sinnvollen Alternativtexten beschriftet waren. Des Weiteren hatte der Reader mit diversen RSS-Feeds Probleme, und rief sie trotz Gültigkeit und Erreichbarkeit nur noch sporadisch fehlerfrei ab.

Der Nachfolger in meinen Self-Hosted-Apps nennt sich Miniflux. Das ist mal eine Webanwendung, die so ganz nach meinem persönlichen Geschmack ist. Einfach zu installieren, schlank und schnell, ohne überflüssige Features, und dennoch mit einigen Funktionen ausgestattet, die man bei anderen Readern vermissen dürfte. Dazu noch für Nutzer von Bildschirmlesern sehr gut zugänglich, was will man mehr?

Herausragend ist die Möglichkeit, Artikel-Texte direkt im Reader zu lesen, auch wenn der Feed keinen Volltext anbietet. Hierzu bringt die dem Reader zugrunde liegende und vom selben Autor entwickelte PicoFeed-Bibliothek einen Content-Grabber mit, der anhand bestimmter Regelsätze die Artikelseiten filtert, und lediglich den Text des Artikels ausgibt. Hierzu muss jedoch für jede Seite eine eigene Regel erstellt werden. Heise und Spiegel Online sowie Golem sind neben einigen weiteren deutschsprachigen Seiten bereits vorhanden, mit etwas HTML- und PHP-Kenntnis lassen sich aber neue Regeldateien relativ einfach erstellen.

Auch in Sachen Geschwindigkeit macht Miniflux einiges besser. Während es bei FreshRSS schon mal Minuten dauern konnte, bis alle Feeds abgerufen waren (ja, das geht natürlich auch automatisiert, habe ich jedoch aus bestimmten Gründen nicht eingerichtet), erledigt Miniflux dies in nicht mal einer halben Minute. Grund dafür ist, dass mehrere Feeds gleichzeitig abgerufen werden, und nicht einer nach dem anderen. Tritt irgendwo ein Fehler auf, wird dies sofort beim entsprechenden Feed angezeigt, und man kann über den Debugmodus weitere Nachforschungen im Protokoll anstellen. Leider ist die PicoFeed-Bibliothek etwas pingelig bei nicht validen Feeds, sodass ich einige wenige Feeds damit nicht mehr lesen kann.

Die Bildschirmleser-Zugänglichkeit der Anwendung ist auf Desktop- und Mobilgeräten durchweg positiv. Alle Bedienelemente sind sinnvoll beschriftet, und mittels Überschriftennavigation lassen sich die einzelnen Artikel bequem durchblättern. Die abgerufenen Artikel werden in einer Art Stream angezeigt, sodass man nicht erst umständlich jeden Feed einzeln anklicken muss. Wer dennoch nur einzelne Abos oder Kategorien sehen möchte, findet auch diese Möglichkeit sehr schnell. Am Ende der Seite erlaubt ein Link, sämtliche Artikel als gelesen zu markieren.

Miniflux ist eine PHP-Anwendung und verwendet eine Sqlite-Datenbank als Backend, dementsprechend einfach ist daher auch die Installation. Des Weiteren kann ein Cronjob zum automatisierten Abrufen der Feeds im System oder, falls nicht verfügbar, über einen Webcron-Dienst angelegt werden. Auch für den Fernzugriff ist alles vorhanden. Neben einer eigenen API gibt es eine Fever-Unterstützung, was die Steuerung über geeignete Mobil- und Desktop-Apps erlaubt. Für Android ist eine App nahmens MiniFlux Embedded verfügbar, wobei es sich aber lediglich um einen One-Purpose-Browser handelt, also um eine App, welche die Miniflux-Seite darstellt, sonst aber keine Zusatzfunktionen wie etwa Benachrichtigungen mitbringt. Eine Plugin-Unterstützung gibt es bei Miniflux nicht, dafür lässt sich der Reader mit Themes den eigenen Farbwünschen anpassen.

Kurzum: Miniflux ist vielleicht kein Reader, um hunderte von Feeds sinvoll mit allen Rafinessen zu verwalten, doch für den einfachen Bedarf ist diese Anwendung sehr zu empfehlen.

Auch für Tastaturnutzer sinnvoll: Virtuelle Desktops unter Windows 10

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Für Linux-Nutzer sind sie längst ein alter Hut, seit Windows 10 lassen sie sich nun auch unter Microsofts Betriebssystem nutzen. Virtuelle Desktops bringen Ordnung in das Fensterchaos, wenn selbst ein großer HD-Bildschirm zu klein ist, um noch die Übersicht zu behalten. Doch nicht nur für Bildschirmnutzer können virtuelle Arbeitsoberflächen nützlich sein, auch mit der Tastatur lassen sich auf diese Weise viele Programmfenster bequem organisieren. Ein Praxisbeispiel gefällig?

Bekanntlich stelle ich für meine Radiosendungen die Software selbst zusammen, und nutze keine überteuerten Streaming-Komplettlösungen. Was die Software einerseits zwar sehr preisgünstig macht, kann andererseits jedoch für weniger Nutzungskomfort und einen Wust an Programmen und Programmfenstern sorgen. Musik, Jingles, Werbung, Show-Recorder, Streamer, Browser; für jede Aufgabe muss ein eigenes Programm her, und wenigstens die Hälfte davon bringt ein eigenes Fenster mit. Als Tastaturnutzer gerät man da mal schnell ins Schleudern, wenn zwischen all diesen Programmen während einer Sendung umgeschaltet werden muss. Nutzer des Screen-Readers JAWS konnten sich bislang mit der in den Bildschirmleser integrierten Fensterliste behelfen, um gezielt die richtige Anwendung herauszusuchen. Neuerdings gibt es eine ähnliche Fensterliste aber auch als Windows-Feature. Sie ist mittels der Tastenkombination Windows+TAB erreichbar, und enthält ebenfalls eine Liste aller aktiven Programmfenster. Nicht enthalten sind solche Programme, die ihr Fenster über ein Infobereichssymbol minimiert haben, bzw. überhaupt keine Programmoberfläche mitbringen. Die Liste dieser Anwendungen lässt sich stattdessen wie üblich mit der Tastenkombination Windows+B aufrufen.

Zurück zur Liste der aktiven Anwendungen. Darüber kann die gewünschte Anwendung nämlich nicht nur aufgerufen werden, sondern lässt sich über das Kontextmenü auch beliebig auf dem aktuellen Desktop andocken oder auf einen anderen Desktop verschieben, sofern ein solcher angelegt wurde. Ein Druck auf TAB wechselt zwischen der Anwendungsliste und der Liste der virtuellen Desktops. Die Schaltfläche "Neuer Desktop" erstellt einen weiteren Desktop. Auf diese Weise lassen sich sämtliche geöffneten Programmfenster beliebig gruppieren. Anwendungen, die während einer Live-Sendung nur untergeordnete Bedeutung haben, wie etwa Recorder und Streamer, verschwinden also einfach aus dem Navigationsbereich.
Damit die Fenster tatsächlich bei der Tastaturnavigation verschwunden bleiben, sollten unter Einstellungen -> System -> Multitasking noch einige Werte geprüft werden:

  • In der Taskleiste Fenster anzeigen, die geöffnet sind auf: Nur auf dem aktuell verwendeten Desktop
  • Beim Drücken von ALT+TAB Fenster anzeigen, die geöffnet sind auf: Nur auf dem aktuell verwendeten Desktop

und schon herrscht Ordnung im Fenstergewirr. Mittels ALT+TAB bzw. Windows+TAB tauchen nur noch die Programme des aktuellen Desktops auf. Um schneller auf einen anderen Desktop zu gelangen, drückt man die Tastenkombination STRG+Windows+Pfeil links oder rechts. Danach sind die Programmfenster des zweiten Desktops wieder erreichbar, währenddessen die der anderen Desktops ausgeblendet bleiben.

AndStatus: ein quelloffener Microblogging-Client für Android

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Wer für Android noch nach einem brauchbaren Microblogging-Client sucht, dem kann ich nach ersten Tests AndStatus als eine quelloffene und werbefreie App empfehlen. Der Client beherrscht sowohl Twitter, als auch diverse andere Microblogging-Dienste, darunter Status.net. Man kann ihn gratis entweder im Playstore oder via F-Droid herunterladen.

Nach der Installation hat man die Wahl, ein neues Konto zu verknüpfen oder eine Sicherung wiederherzustellen. Die Einrichtung mit Twitter funktioniert gewohnt einfach, es muss nur die App genehmigt werden. Danach kann es auch schon losgehen. Sämtliche Nachrichten aus allen verknüpften Konten werden in einer einzigen Timeline angezeigt, wobei sich die Nachrichten natürlich trotzdem zuordnen lassen. Für Erwähnungen, Direktnachrichten, Favoriten usw. gibt es separate Zeitleisten, die sich per Tipp auf den Namen der aktuellen Zeitleiste aus einem Menü wählen lassen. Eine umfangreiche Einstellungsseite erlaubt es, das Verhalten des Clients seinen Bedürfnissen anzupassen.

AndStatus zielt darauf ab, möglichst wenig Traffic zu verursachen. Wer die App mit Twitter nutzt, muss daher auf die Streaming-API verzichten, bekommt also die Nachrichten nicht in Echtzeit zugestellt. Das Synchronisierungsintervall lässt sich jedoch auf 3 Minuten herabsetzen, ein niedrigeres Intervall wird von Twitter nicht unterstützt.

Auch für Talkback-Nutzer ist AndStatus sehr gut zugänglich. Sämtliche Buttons sind mit Alternativtexten beschriftet und lassen sich durch die bekannten Wisch- und Doppeltipp-Gesten ansteuern. Dadurch, dass immer nur eine Zeitleiste angezeigt wird, bleibt der Bildschirm stets sehr übersichtlich. Die Anzeige der Nachrichten erfolgt mit den neuesten Einträgen ganz oben, allerdings befindet man sich bei neu geöffneten Zeitleisten zunächst ganz am Ende der Liste, also bei den ältesten Einträgen. Wer zu den neuesten Einträgen springen möchte, muss jedoch nicht umständlich scrollen, sondern kann links oben über die "Nach oben"-Schaltfläche ein Menü öffnen, und dort auf "Nach oben springen" tippen. Eine Option, die Zeitleiste umzukehren, wäre speziell in Konversationen dennoch wünschenswert.

Voxin 1.0 veröffentlicht, Unterstützung für Debian Jessie

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Screen-Reader-Nutzer unter Linux dürfen sich freuen: Gestern wurde Version 1.0 der Voxin-Sprachausgabe veröffentlicht. Hierbei handelt es sich um die Linux-Portierung der von IBM entwickelten Text-To-Speech-Engine ViaVoice, die inzwischen zwar nicht mehr weiterentwickelt wird, sich jedoch nicht zuletzt durch den vom JAWS-Bildschirmleser bekannten Ableger Eloquence immer noch großer Beliebtheit erfreut. Da viele der zeitgemäßeren kommerziellen Sprachausgaben für Linux nicht verfügbar sind, ist Voxin momentan somit eine zwar proprietäre, aber eine der besten Alternativen zur quelloffenen eSpeak. Sie kann in Verbindung mit Speech-Dispatcher als Sprachausgabe mit Orca verwendet werden und ist auch im Audio-Desktop Emacspeak nutzbar.

Voxin wird von Oralux betreut, einer Non-Profit-Organisation, die sich für die Zugänglichkeit quelloffener Software einsetzt. Die Sprachausgabe an sich kann dabei nicht weiterentwickelt werden, wird aber an aktuelle Distributionen angepasst. Version 1.0 erschien nach einer längeren Pause und bringt unter anderem Unterstützung für Debian Jessie und Ubuntu 15.10/16.04 mit, außerdem wurde die Integration in 64-Bit-Systeme optimiert.

Golden Cursor: Nützliches Maussteuerungs-Addon für den Bildschirmleser NVDA

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Der quelloffene Windows-Bildschirmleser NVDA unterstützt von Haus aus nicht nur die Navigation per Tastatur, sondern erlaubt auch die Verfolgung von Mausbewegungen. Neben der Objektnavigation, welche auch das Anspringen per Tabstop- und Cursornavigation unzugänglicher Programmelemente gestattet, erhöht die Benutzung einer Maus die Zugänglichkeit in manchen Anwendungen nochmals deutlich. Mitunter ist die Mausverfolgung sogar schneller als das eher gewöhnungsbedürftige Gehangel zwischen den strukturierten Objekten einer Anwendung, die oftmals nicht logisch angeordnet sind.

Mit dem Addon Golden Cursor gibt es jetzt eine nützliche Erweiterung der Maussteuerung. Sie ermöglicht es nicht nur, die Mausbewegungen komplett per Tastatur zu steuern, sondern erlaubt auch das Speichern von Mauspositionen. Hat man beispielsweise eine Anwendung, in der mehrere Bedienelemente zwar auslesbar, aber nur per Maus erreichbar sind, lassen sich die Bildschirmpositionen (in Pixelwerten) jedes dieser Bedienelemente in einer Liste speichern und können durch Tastendruck sehr komfortabel angesprungen werden. Es genügt dann ein entsprechender Mausklick, der ohnehin schon auch per Tastatur ausgelöst werden kann, um das Bedienelement zu aktivieren.

Ein Beispiel hierfür sind die im Freeware-Telefonieprogramm PhonerLite nur schwer zugänglichen Symbole für Lautsprecher und Mikrofon, welche mit einem Rechtsklick die Auswahl des gewünschten Audiogerätes erlauben. Diese Symbole sind gänzlich unbeschriftet, sodass man sie zwar mit der Maus erreichen kann, dabei aber keinerlei Rückmeldung der Sprachausgabe erhält. Mit dem Golden-Cursor-Addon ist es möglich, die Positionen der Symbole einmalig zu ermitteln, und danach als Sprungmarke in einer Liste abzuspeichern. Solange sich bei Programm-Updates an der Position der Symbole nichts ändert, sind sie damit ab sofort zielsicher erreichbar.

Natürlich gibt es beim Einsatz dieser Erweiterung auch einige Dinge zu beachten. Da die Mauspositionen als Pixelwerte abgespeichert werden, dürfte es schwer sein, seine eigenen Sprungmarken zu exportieren, um sie anderen zur Verfügung zu stellen. Dies funktioniert nur dann, wenn auf anderen Systemen die exakt gleiche Bildschirmauflösung verwendet wird, da sonst die Pixelpositionen logischerweise nicht übereinstimmen. Auch ist es ratsam, jede Anwendung erst zu maximieren, bevor man Positionslisten erstellt.

Die Erweiterung ist momentan noch nicht als stabil gekennzeichnet, tut aber bereits jetzt ihren Dienst. Einzig die standardmäßig eingerichteten Tastenkombinationen sind mitunter ziemlich akrobatisch, lassen sich jedoch allesamt in den Eingabe-Einstellungen umdefinieren. Golden Cursor gehört für mich schon jetzt in die Liste der Addons, die standardmäßig nach einer NVDA-Installation eingebunden werden. Auch wenn die Maussteuerung zum Glück nur in relativ wenigen Anwendungen wirklich notwendig ist, erleichtert der Golden Cursor die Arbeit damit ungemein.

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