Robbinaer

Das Technikblog aus dem Robbenradio

Screen-Reader-Zugänglichkeit des Nischenbrowsers Vivaldi

Geschrieben von Steffen Schultz 2 Kommentare

Im Jahr 2013 entschlossen sich die Entwickler des Opera-Browsers zu grundlegenden Änderungen. Nicht nur wechselte man von der eigenen, Presto genannten Browser-Engine zur Webkit-Abspaltung Blink, der Browser wurde auch einer Vielzahl von Funktionen beraubt, und die Nutzer-Community "My Opera" abgeschaltet. Dies legte den Grundstein für Vivaldi, einen Browser, welcher die durch Opera hinterlassene Nische ausfüllen sollte. Die ersten Versionen erschienen im Jahr 2015, mittlerweile gilt Vivaldi als stabil und ist für die gängigen Desktop-Systeme verfügbar. Da er das Rad nicht gänzlich neu erfindet, und z. B. auch ohne Anpassungen auf Chrome-Erweiterungen zugreifen kann, dürfte er inzwischen eine interessante Alternative für diejenigen geworden sein, denen Chrome und der neue Opera zu wenig Funktionalität bieten.

Den Artikel Screen-Reader-Zugänglichkeit des Nischenbrowsers Vivaldi lesen

Blindo - accessibility ratings

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Stößt man als blinder Nutzer unter Android auf eine App, deren Schaltflächen für die Nutzung mittels TalkBack unbeschriftet sind, lassen diese sich in vielen Fällen über das lokale Kontextmenü manuell mit Labels versehen. Dies setzt natürlich voraus, dass man die Funktion der Schaltflächen vorher selbst oder mit sehender Hilfe ergründet hat. Um nach einer Neuinstallation oder Wechsel des Android-Gerätes die Schaltflächen nicht jedes Mal von vorn beschriften zu müssen, können die Labels in den TalkBack-Einstellungen auch exportiert werden.

Die Android-App Blindo - accessibility ratings macht sich diese Funktion zu Nutze, und stellt für blinde Anwender eine Community bereit, welche den Austausch dieser Label-Beschriftungen erlaubt. Nach Download der derzeit nur englischsprachigen App durchläuft man ein kurzes Nutzungs-Tutorial, und meldet sich mit seinem Google-Konto an. Anschließend erhält man nicht nur die Möglichkeit, für seine installierten Apps - falls verfügbar - Labels herunter- und hochzuladen, sondern kann auch Bewertungen (Ratings) für Apps abgeben. Diese beziehen sich speziell auf die Zugänglichkeit. Bewertet wird auf einer Sterne-Skala von 1 bis 5, getrennt nach Kategorien wie Interface-Zugänglichkeit, Button-Labeling, App-Performance oder Kompatibilität mit TalkBack und ShinePLUS. Hierbei ist aber etwas problematisch, dass ein Rating nur vollständig abgegeben werden kann, d. h. eine Bewertung mit 0 Sternen, weil man z. B. den ShinePlus-Bildschirmleser nicht installiert hat, ist leider nicht möglich.

Es bleibt abzuwarten, ob sich Blindo auch bei deutschsprachigen Nutzern größerer Beliebtheit erfreuen wird. Label-Pakete sind nämlich bisher überwiegend in Spanisch, Portugisisch oder Englisch verfügbar. Die App ist derzeit kostenlos und enthält einige wenige Werbeeinblendungen. Laut PlayStore sind InAPP-Käufe möglich, diese werden jedoch derzeit nirgendwo in der App beworben. Der Erwerb einer Pro-Lizenz zum Abschalten der Werbung wäre damit aber denkbar.

Open-Source auf dem Smartphone

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Mein Einstieg in die Smartphone-Welt ist noch recht jung. Nachdem ich zunächst zum Testen ein Medion-Tablet genutzt habe, bin ich seit letztem Sommer Besitzer eines Lenovo Moto G4 Plus, das mir als Allround-Kommunikationszentrale sehr gute Dienste leistet, auch wenn ich viele andere Aufgaben dann doch lieber weiterhin am Computer erledige. Nicht zuletzt durch die jüngsten Weiterentwicklungen der Zugänglichkeitsoptionen von Android ist dieses System auch für blinde und sehbehinderte Nutzer zu einer ernstzunehmenden Alternative zum bisherigen Platzhirschen iOS geworden. Viele aus iOS bekannte Apps gibt es auch in einer Android-Version bzw. haben unter Android entsprechende Alternativen von anderen Entwicklern.

Da ich ein Fan von Open-Source-Software bin, habe ich natürlich auch auf meiner ersten Mobil-Plattform Ausschau nach entsprechenden Apps gehalten. Eine meiner ersten Handlungen war es, den F-Droid-Client nachzuinstallieren. Hierbei handelt es sich um einen alternativen Store, welcher sich auf quelloffene Android-Apps spezialisiert hat. Viele der im Playstore verfügbaren Apps finden sich auch dort, und lassen sich auf diese Weise an Googles Infrastruktur vorbei installieren. Dabei kommt die Sicherheit jedoch nicht zu kurz, verspricht zum Teil sogar besseren Schutz als der Playstore. Der Aufbau des F-Droid-Systems orientiert sich daher auch an Paketverwaltungen, wie man sie von Debian kennt. Auch für den Nutzer bietet F-Droid einige Zusatzinformationen, die man im Playstore wohl nicht erhalten würde. Neben der üblichen Information, ob eine App Werbung enthält, wird unter anderem sogar darauf hingewiesen, wenn eine quelloffene App nicht-quelloffene Dienste bewirbt oder den Nutzer standardmäßig trackt. Derartige Features werden bei F-Droid allgemein als Anti-Features zusammengefasst.

Und was ist mit Open-Source auf dem Smartphone eigentlich so möglich?

Hier ist eine Liste der quelloffenen Apps, die derzeit auf meinem Telefon installiert sind. Nicht alle sind via F-Droid erhältlich, sind aber trotzdem quelloffen. Sämtliche Apps sind gut bis sehr gut mit TalkBack zugänglich. Einige Apps werde ich hier im Blog auch noch detailierter vorstellen.

  • Amaze File Manager: Verwaltung von lokalen Dateien, unterstützt jedoch auch Samba-Shares.
  • AndStatus: Microblogging-Client, der neben Twitter auch GNU-Social-Konten verwalten kann.
  • AntennaPod: Weithin bekannter Podcatcher.
  • Barcode Scanner: Erkennt verschiedene Barcode-Typen und QR-Codes, kann auch QR-Codes erstellen.
  • Conversations: Vielseitiger XMPP-Client (Jabber etc). Via F-Droid ist Conversations kostenlos erhältlich.
  • Cool Mic: Icecast-Client, welcher das Mikrofonsignal oder eine via OTG-Kabel angeschlossene Soundquelle in den Audioformaten Ogg und Opus streamt.
  • Firefox: Diesen Browser gibts natürlich auch für Android.
  • K-9 Mail: Ein vielseitiger E-Mail-Client.
  • Omni Notes: Einfache Notiz-App, unterstützt neben Notizen auch ToDo-Listen und Erinnerungen.
  • Open Camera: Sehr detailreich konfigurierbare Kamera-App (ja, auch Blinde brauchen manchmal sowas).
  • VLC for Android: Der bekannte Mediaplayer als Android-Version.

Bestimmt wird diese Liste noch etwas wachsen. Natürlich spielt für mich die Screenreader-Zugänglichkeit beim Aussuchen einer App eine wesentliche Rolle. Doch gerade bei Open-Source-Software werden derartige Dinge gern aufgegriffen und etwaige Probleme oftmals schnell behoben. So ließen sich z. B. in AndStatus mittels TalkBack die in einem Tweet angegebenen Links nicht korrekt öffnen. Es kostete mich jedoch nur wenige Zeilen Text, um dem Entwickler via GitHub-Issue mein Anliegen zu schildern, wenige Wochen später gab es eine neue Version, in der das Problem mit einem zwar immer noch nicht ganz perfekten, aber immerhin funktionierenden Workaround behoben war. Man muss also kein Programmierer sein, um an Open-Source-Projekten mitzuwirken.

Google TalkBack: Ansage der Anrufer-ID konfigurieren

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Bis zur Version 4.4 bot der Screenreader Google TalkBack die Möglichkeit, Telefonnummer bzw. Kontaktname eines Anrufers vorlesen zu lassen. Ab TalkBack Version 5 verschwand diese Option allerdings aus den Einstellungen, was bei einigen Nutzern offensichtlich für Verwirrung sorgt. Da ich auf meinem Smartphone kaum Anrufe empfange, ist mir die fehlende Ansage der Anrufer-ID zunächst gar nicht aufgefallen. Tatsächlich scheint es so zu sein, dass es keine Option zur Ansage der Anrufer-ID mehr gibt - weder in den TalkBack-Einstellungen, noch in den allgemeinen Zugänglichkeits-Einstellungen oder gar auf der Seite "Ton und Benachrichtigungen".

Des Rätsels Lösung ist am Ende zwar logisch, aber fand sich erst nach einigem Herumsuchen. Grund für den Wegfall der Option sind die ab Android 6 (Marshmallow) verwendeten App-Berechtigungen. Sofern eine App das neue Berechtigungssystem unterstützt, kann für sie jedes angeforderte Zugriffsrecht individuell konfiguriert werden. Hierzu tippt man auf Apps -> Einstellung -> Apps (auf Samsung-Geräten eventuell etwas anders), und wählt die gewünschte App aus, also in diesem Fall TalkBack antippen. Auf der App-Infoseite den Menüpunkt Berechtigungen antippen, der standardmäßig den Wert "Keine Berechtigungen gewährt" anzeigen sollte. TalkBack kann hier der Zugriff auf das Telefon erlaubt werden, was dann auch die Ansage des Anrufers wieder möglich macht.

Nutzer älterer Android-Versionen dürften hier allerdings im Nachteil sein, da sich bis Android 5.1 (Lollipop) die Berechtigungen nicht so individuell konfigurieren lassen. Leider fehlt mir ein Testgerät, um die dortigen Einstellungsmöglichkeiten nachzuprüfen.

Undok: Zugängliche Fernsteuerung von Digitalradios und Netzwerklautsprechern

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Moderne Unterhaltungselektronik besteht nicht selten aus Komponenten, deren Bedienung fast schon an die eines Computers erinnert. Ließen sich die verschiedenen Gerätefunktionen früher über ein jeweils dafür zugewiesenes Bedienelement steuern, gibt es in vielen Geräten heute nur noch wenige Tasten zum Blättern in Bildschirmmenüs oder Tätigen von Eingaben, sofern dabei nicht sogar ganz auf Tasteneingabe verzichtet wird. Was für die allgemeine Bedienerfreundlichkeit sicherlich ein Fortschritt sein mag, stellt blinde oder visuell beeinträchtigte Nutzer vor ein großes Problem. Fernseher, Digital-Receiver, Stereoanlagen und selbst gewöhnliche Radios - sie alle sind mittlerweile nur noch mit starken Einschränkungen für diesen Nutzerkreis zu gebrauchen. Erst langsam beginnen einige wenige Hersteller, blinde Nutzer als relevante Käuferschaft wahrzunehmen und integrieren Zugänglichkeits-Optionen in ihre Produkte, meist sind diese Optionen jedoch nur in den hochpreisigeren Modellen verfügbar. Wieder andere Firmen haben sich auf blinde Nutzer spezialisiert und bieten ihre Geräte mit vorkonfigurierter Sprachausgabe und spezieller Ausstattung an, was man jedoch nur als Insellösung betrachten kann. Wirkliche Zugänglichkeit, also Geräte, die von allen Menschen möglichst in selber Weise benutzt werden können, sind leider noch rar gesäht.

Als ein geradezu universelles Hilfsmittel gilt schon seit langem das auch sonst kaum noch wegzudenkende Smartphone. War es zunächst die Produktpalette von Apple, welche, obwohl die Geräte nicht gerade ein Schnäppchen sind, mehr und mehr in den Alltag blinder Nutzer einzog, können sich mittlerweile auch Android-Geräte als günstige Alternative behaupten. Bekanntlich ist das Telefonieren auf solchen Geräten ja nur noch zweitrangig. Dank Apps aller Kategorien des Lebens können Smartphones zwar immer noch keinen Kaffee kochen, aber immerhin bei der Steuerung von Haushaltsgeräten helfen. Und auch in der Bedienung von Unterhaltungselektronik können sie eine Hilfe sein, wie am Beispiel der Undok-App deutlich wird.

Mit Undok lässt sich eine ganze Reihe von netzwerkfähigen Audiokomponenten fernsteuern, dazu zählen WLAN-Radios und Multiroom-Lautsprechersysteme. Je nach Fähigkeiten des zu steuernden Gerätes sind die verschiedenen Betriebsmodi in der App verfügbar, also Internetradio, UPNP, Spotify, UKW- und DAB-Radio usw. Der Fernzugriff bleibt dabei nicht auf die Geräte eines Herstellers beschränkt, was Undok zu einer sehr universell einsetzbaren App macht. Welche Geräte damit kompatibel sind, muss natürlich vor dem Kauf recherchiert werden.

Ich habe die App unter Android 6.01 mit einem Dual IR6S Digitalradio getestet. Zwar ist die erste Einrichtung des Gerätes weiterhin nur mit sehender Hilfe zu bewerkstelligen, doch einmal eingerichtet, lässt es sich danach sofort mittels Undok über das heimische WLAN steuern. Internet-Radiosender durchsuchen, zwischen Betriebsarten umschalten, Lautstärke und Equalizer regeln, Stations-Presets aufrufen - alles funktioniert problemlos mittels Talkback-Unterstützung. Lediglich einige Buttons sind nicht korrekt gelabelt, können jedoch über das lokale Talkback-Kontextmenü nachträglich benannt werden, sofern die Beschriftung bekannt ist. Vollumfänglich lassen sich die Gerätefunktionen allerdings nicht steuern. Das Geräte-Menü zur Netzwerkkonfiguration etwa ist im Falle des Dual IR6S weiterhin einer direkten Eingabe am Gerät vorbehalten. Auch die Stations-Presets müssen blind am Gerät gespeichert werden, was aber ausnahmsweise problemlos ohne großes Wandern durch das Gerätemenü funktioniert. Doch möchte man lediglich die Ausgabefunktionen des Gerätes nutzen, ist Undok hier eine enorme Hilfe.

Artikel-Feed (RSS) dieser Tag