Software-Empfehlungen und Reviews

Debian Wheezy: Orca lässt sich in manchen Programmfenstern nicht unterbrechen

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare
Kategorisiert in : Software Schlüsselwörter : A11Y, Debian, Linux, OpenSource, Orca

In manchen Einstellungs- und Programmfenstern kommt es vor, dass sich der Screen-Reader Orca nicht unterbrechen lässt, wenn man sich beispielsweise mit der Tab-Taste durch die Bedienelemente eines Fensters bewegt. Das hat zur Folge, dass man sich jedes Bedienelement bis zum Ende vorlesen lassen muss, ob man will oder nicht. Bei bereits bekannten Programmfenstern gelangt man auf diese Weise nur sehr langsam zum Ziel, sofern keine braillezeile zusätzlich zur Sprachausgabe zur Verfügung steht. Ganz zu schweigen davon, dass dieses Verhalten des Bildschirmlesers einem ziemlich auf die Nerven gehen kann.

Verantwortlich hierfür ist ein Bug im Zusammenhang mit der Clutter-Grafikbibliothek, der in neueren Gnome-Versionen offenbar schon behoben ist, nicht aber bei der in Debian Wheezy enthaltenen Version 3.4.2. Ein Update aus neueren Paketquellen könnte in diesem Fall helfen. Wer jedoch sein System möglichst stabil halten und nicht auf Testing-Pakete zurückgreifen möchte, kann sich mit folgendem Workaround behelfen.

  1. Ein Terminal im aktuellen Benutzerverzeichnis öffnen
  2. mkdir -p ~/.config/clutter-1.0
  3. cd ~/.config/clutter-1.0
  4. Mit dem Editor eurer Wahl eine leere Datei namens settings.ini anlegen und Folgendes eintragen:
    [Environment]
    EnableAccessibility=false
  5. Die Datei abspeichern und das Terminal wieder schließen

Auch wenn mit dieser Anweisung die Clutter-Zugänglichkeit vorübergehend ausgeschaltet wurde, kann Orca nun die Programmfenster wieder korrekt vorlesen und ist bei Bedarf auch zum Schweigen zu bringen. Testen lässt sich das beispielsweise in den Systemeinstellungen (Anwendungsmenü -> Systemwerkzeuge -> Einstellungen -> Systemeinstellungen).

Gnome Classic: Desktop für Orca lesbar machen

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare
Kategorisiert in : Software Schlüsselwörter : A11Y, Gnome, Linux, OpenSource, Orca

Bei einer frischen Debian-Installation zeigt der Screen-Reader Orca im Desktop-Modus "Gnome Classic" standardmäßig keinen Desktop an bzw. kann diesen nicht auslesen. Stattdessen werden nur das obere und untere Kantenpanel angezeigt. Natürlich ist der Desktop trotzdem vorhanden. Um ihn für Orca "sichtbar" zu machen, muss Folgendes ausgeführt werden:

  • ALT+F2 drücken und im Ausführen-Dialog eingeben: gnome-tweak-tool
  • Im sich nun öffnenden Fenster den Register "Arbeitsfläche" auswählen, was standardmäßig schon der Fall sein sollte
  • Die Option "Have Filemanager handle the Desktop" suchen und mit der Leertaste aktivieren
  • Falls benötigt, weitere Symbole der Einstellungsseite anhaken (Computer, Home, Trash etc)
  • Fenster mit ALT+F4 wieder schließen

Nun sollte der Desktop für Orca sichtbar sein und man kann mittels STRG+ALT+Tab zwischen Desktop und den Kantenpanels umschalten.
(Vielen Dank an @dave090679!)

WordPress-Tipp: Zugänglichkeitsmodus zum Bearbeiten der Widgets

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare
Kategorisiert in : Software Schlüsselwörter : A11Y, OpenSource, WordPress

Ein Tipp, mit dem ich kürzlich einem blinden WordPress-Nutzer in einer Mailingliste weiterhelfen konnte:
Um in einem WordPress-Theme die sogenannten Widgets, also die verschiedenen Inhaltsbereiche der Seitenleisten zu verschieben, gibt es für Screen-Reader-Nutzer einen Zugänglichkeitsmodus. Diesen aktiviert man im Design-Menü auf der Seite "Widgets" und dort im Aufklapp-Menü "Optionen". Damit lassen sich die Widgets ohne "Drag-and-Drop" der Seitenleiste hinzufügen, konfigurieren und beliebig positionieren.

Eine solche Option gibt es übrigens auch für Dotclear, hier ist sie im Benutzerprofil auf dem Register "Meine Optionen" zu finden. Wird die Option "JavaScript-Werkzeug zum Drag-and-Drop-Ordnen von Einträgen abschalten" aktiviert, lassen sich auch in Dotclear die Widgets der Seitenleiste sehr viel einfacher bearbeiten, sogar noch viel bequemer als bei WordPress.

Universal Streamkick

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare
Kategorisiert in : Software Schlüsselwörter : AutoIt, Icecast, OpenSource, PHP, Shoutcast, Windows

Das Stöbern in alten Datenbeständen fördert manchmal Interessantes zu Tage. "Universal Streamkick" ist ein kleines Tool, welches ich vor etwa 4 Jahren für meine Arbeit bei einem Webradio geschrieben und danach im mittlerweile nicht mehr existierenden "Serviceportal Radio" angeboten hatte. Dieses Tool dient dazu, die Verbindung eines Source-Streams eines Shoutcast- oder Icecast-Servers zu unterbrechen. Ich brauchte eine solche Funktion damals, um einen sogenannten Auto-DJ vor dem Beginn einer Live-Sendung zu "kicken", also den Stream für mich als Moderator freizuräumen - heute gibt es natürlich viel bessere Methoden. Das Tool erleichtert diese Aufgabe, sodass man nicht erst umständlich auf eine Webseite gehen muss. Stattdessen genügt es, eine kleine Windows-Anwendung aufzurufen, die dann ohne weitere Rückfrage den Stream freimacht. Der Aufruf lässt sich sogar noch beschleunigen, indem die Anwendung mit einer Tastenkombination versehen wird. Perfekt auch für blinde Nutzer, die beim Webradio ohnehin für jeden Klick weniger dankbar sein dürften.

Zeit also, das Tool mal wieder zur Verfügung zu stellen. Der Download enthält neben der in AutoIt geschriebenen Windows-Anwendung noch ein PHP-Script, welches serverseitig den eigentlichen Kick des Source-Streams übernimmt und nur für den Betreiber oder Webmaster eines Webradios relevant ist. Weitere Informationen sowie eine Installationsanleitung findet sich in der Datei Readme.txt.
Download: Universal Streamkick (.zip, 283 KB)

AutoIndex: Mehr als nur ein Verzeichnislister

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare
Kategorisiert in : Software Schlüsselwörter : OpenSource, PHP

Manchmal möchte man sich nicht die Mühe machen, zum Veröffentlichen einiger Dateien eine komplette Webseite anzulegen. Stattdessen gibt es die hochgelobten Wolkenspeicher, mit denen solche Aufgaben ein Kinderspiel sind. Mit Dropbox lassen sich so beispielsweise ganze Ordner mit einem Link freigeben und werden als fertige Verzeichnisauflistung im Browser dargestellt. Wer jedoch einen eigenen Webspace zur Verfügung hat, kann das Veröffentlichen natürlich auch auf die "altmodischere" Weise angehen. Hierzu bieten die gängigen Webserver in der Regel ein sogenanntes Directory-Listing an, sodass hochgeladene Dateien ebenfalls als fertige HTML-Seite im Browser dargestellt werden können. Diese Funktion ist aber nicht zwangsläufig bei jedem Hoster verfügbar. Zum Glück gibt es zahlreiche, teils bessere Nachbauten der Webserver-Listings.

Schon länger nicht mehr weiterentwickelt, aber immer noch ein geniales PHP-Script: AutoIndex.
Das Tool übernimmt in seinen Grundfunktionen die Verzeichnis-Auflistung des Webservers, ohne auf dessen Konfiguration angewiesen zu sein. Lediglich PHP-Unterstützung wird benötigt. Aber AutoIndex ist weit mehr als nur ein Verzeichnislister. Neben der Möglichkeit, MD5-Prüfsummen von Dateien zu berechnen und sogar ganze Ordner als Tar-Archiv herunterzuladen, bringt das Tool ein rudimentäres, aber funktionsfähiges Login-System mit sich, das ohne eine MySQL-Datenbank auskommt. Benutzer lassen sich in verschiedenen Levels anlegen, vom normalen Besucher bis hoch zum Administrator. AutoIndex lässt sich des Weiteren so einrichten, dass Dateien nur angemeldeten Benutzern zum Download angeboten werden. Weitere Extras sind einfache Verwaltungsfunktionen (Dateien löschen, umbenennen und Beschreibungen hinzufügen), ein HTTP-Uploader zum Hochladen neuer Dateien über den Browser oder sogar per Remote-Abfrage einer externen URL, FTP-Zugriff, eine Protokollauswertung (Zugriffs-Logs etc) sowie eine Konfigurationsseite, um benötigte oder nicht benötigte Funktionen des Scripts zu verwalten. Damit ist AutoIndex also nicht nur ein simpler Verzeichnislister, sondern auch ein Datei-Manager und hervorragend dazu geeignet, Dateien mit einer geschlossenen Benutzergruppe zu teilen. Ein Tool, das in dieser Form kein zweites Mal zu finden ist.

Leider wird AutoIndex schon seit 2007 nicht mehr weiterentwickelt, was früher oder später zu Fehlfunktionen führen kann, wenn bestimmte Funktionen mit der Zeit in neueren PHP-Versionen nicht mehr unterstützt werden. Ebenso könnten sich sicherheitstechnische Probleme ergeben, auch wenn eine Recherche bislang nur bereits korrigierte Fehler erbracht hat. Aber bislang funktioniert das Script noch reibungslos und ich kann es gern weiterempfehlen.
URL: http://autoindex.sourceforge.net

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