NVDA Remote: Fernsteuerungs-Addon für den Open-Source-Bildschirmleser erschienen

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare
Kategorisiert in : Software Schlüsselwörter : A11Y, NVDA, OpenSource, Windows

Im vergangenen März startete via Indiegogo eine Crowdfunding-Kampagne mit dem Ziel, für den freien und kostenlosen Screen-Reader NVDA (Non-Visual Desktop Access ein Addon zur Fernsteuerung von Computern zu entwickeln. Blinden Menschen sollte es damit ermöglicht werden, entfernte Computer problemlos mit dem eigenen Screen-Reader zu steuern, ohne viel Geld für kommerzielle Lösungen ausgeben zu müssen. Dies erlaubt es ihnen nicht nur, Freunden und Bekannten ohne sehende Hilfe technische Hilfestellung zu geben, sondern eröffnet auch ganz neue Möglichkeiten in der IT-Branche und kann für ein weitgehend selbständiges Arbeiten blinder Menschen sorgen.
Bereits in den ersten Tagen hatte die Finanzierungskampagne ihr Ziel von 10000 Dollar erreicht und bis zum Schluss wurde das Ziel um weitere 5000 Dollar überboten. Daher konnte schnell mit der Entwicklung begonnen werden und nach ersten, nichtöffentlichen Beta-Versionen steht nun das finale Addon auf nvdaremote.com zum Download bereit.

Das Addon funktioniert nach einem Client/Server-Prinzip. Möchte man einen Computer fernsteuern, müssen auf beiden Systemen sowohl NVDA, als auch das Remote-Addon installiert sein. Nun muss der Rechner, der gesteuert werden soll, dies in den Addon-Einstellungen (NVDA-Menü -> Extras -> Remote -> Connect) erlauben. Der erste Radio-Button wählt zwischen Client und Server aus. Soll ein bereits bestehender Server genutzt werden, wählt man hier die Option Client, anschließend den zweiten Auswahlschalter auf "Allow this machine to be controlled" stellen. Als Host trägt man den hostnamen oder die IP des Kontroll-Servers ein. Hier bietet sich der von nvdaremote.com unter gleicher Domain bereitgestellte Server an, falls man einen Rechner über das Internet steuern möchte und keine Portweiterleitung im Netzwerk konfiguriert hat. Natürlich geht das ganze auch im lokalen Netzwerk, hierzu stellt man den ersten Auswahlschalter auf Server und lässt das Feld für die IP-Adresse frei. Abschließend wird noch ein beliebiger Key vergeben, denn schließlich soll nicht jeder auf die Verbindung zugreifen können.
Der Rechner, der nun die Steuerung übernehmen soll, wählt im Verbindungsdialog die Option Client sowie beim zweiten Radio-Button den Wert "Control another machine". Host und Key erklären sich von selbst, hier werden die gleichen Daten wie auf dem anderen Computer eingetragen. Ist der host ein Computer im lokalen Netz, muss entweder dessen IP-Adresse oder der Rechnername eingegeben werden. Nach erfolgreicher Verbindung hört man ein Tonsignal und mit der Taste F11 kann die Kontrolle über den entfernten Rechner übernommen werden. Es werden dabei allerdings nur Tastatureingaben übermittelt und die Sprach-Informationen des Screen-Readers im eigenen NVDA ausgegeben. Was auf dem bildschirm des entfernten Rechners passiert, kann man ebenso wenig ermitteln wie die Ausgabe der Soundkarte. Als kleines Extra bietet das Addon noch die Möglichkeit, den inhalt der Zwischenablage zu übertragen.

Es bleibt abzuwarten, wie sich dieses Projekt noch entwickeln wird. Wünschenswert wäre z. B. eine Braille-Unterstützung, damit auch ein stilles Arbeiten möglich ist. Aber bereits jetzt dürfte das Addon für viele blinde Nutzer eine enorme Hilfe sein. Wo man sich bisher mit Teamviewer abmühen musste, das mehr schlecht als recht die Sprachausgabe überträgt, oder man nur die Dienste kommerzieller Bildschirmleser zur Verfügung hatte, gibt es nun eine vielversprechende Alternative aus der Open-Source-Welt.

Über den Autor

Steffen Schultz, ein lichtloser Gelegenheitsblogger aus dem Norden Brandenburgs. Ich bin auf den Betriebssystemen Windows, Linux und Android unterwegs und berichte u. a. über meine Erfahrungen beim Nutzen von Anwendungen mit Zugangstechnologien für Blinde.

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