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Google TalkBack 6.1 veröffentlicht: Die lang erwarteten Kleinigkeiten

Geschrieben von Steffen Schultz keine Kommentare

Googles Eyes-Free-Project hat vergangene Woche die finale Version 6.1 des Android-Bildschirmlesers TalkBack veröffentlicht. Auch wenn die Versionsnummer damit einen Sprung von 5 auf 6 gemacht hat, sind es nur wenige große Neuerungen, über die sich blinde Android-Nutzer freuen dürfen. Dafür gab es viele kleine Verbesserungen und Fehlerkorrekturen, welche die Arbeit dennoch mitunter spürbar erleichtern.

Unbeschriftete Schaltflächen lassen sich einfacher benennen

TalkBack bot bereits die Möglichkeit, unbeschriftete Schaltflächen in einer App mit eigenen sogenannten Labels zu versehen, um ihnen einen identifizierbaren Namen zu geben. Problem hierbei war, dass man als blinder Nutzer bisher keinerlei Möglichkeit hatte, die Funktion der Schaltfläche herauszufinden, mal abgesehen davon sie einfach auszuprobieren. Die Label-Funktion wurde nun ergänzt: Ab sofort ist es möglich, sich bei unbeschrifteten Schaltflächen die sogenannte Element-ID vorlesen zu lassen. Diese ID ist normalerweise nur für den Programmierer einer App relevant und findet außerhalb des Quellcodes keine Verwendung. Da die IDs vieler Apps jedoch den Zweck einer Schaltfläche verraten, sind sie auch zum Labeln mittels TalkBack hilfreich. Bislang konnte man sich mit Drittanbieter-Apps wie Audex behelfen, welche nun weitgehend überflüssig sein dürften. Um sich die Element-IDs ansagen zu lassen, muss lediglich in den TalkBack-Einstellungen beim Punkt Ausführlichkeit die Ansage der Element-IDs aktiviert werden.

Einfacher Zugang zu mehrsprachigen Inhalten

Eine neue Option im globalen TalkBack-Kontextmenü ermöglicht die Auswahl verschiedener Sprachen, sofern die verwendete TTS-Engine dies unterstützt und entsprechende Stimmen installiert sind. Auf diese Weise können beispielsweise englischsprachige Apps und Webseiten sehr bequem in der dafür vorgesehenen Landessprache vorgelesen werden. In ersten Tests funktionierte die Sprachauswahl mit der Google-TTS sehr gut, ebenso unterstützt dies die eSpeak-Engine. Lediglich mit den Acapela-Stimmen gab es einige Probleme und TalkBack verhielt sich nicht wie erwartet. Mit Tippen auf "Zurücksetzen" im Sprachauswahl-Menü lässt sich das bisherige Verhalten jedoch wiederherstellen. Wer noch schneller ans Ziel kommen möchte, kann der Sprachauswahl übrigens auch in den TalkBack-Einstellungen eine Bewegungsgeste zuweisen.

Funktionen für Android O und weitere Verbesserungen

Nachfolgend eine unvollständige Liste weiterer Verbesserungen und Features:

  • Android O: Mittels Fingerabdruck-Sensor kann eine neue Wischgeste genutzt werden, um bestimmte TalkBack-Einstellungen schnell zu ändern, darunter die Sprechgeschwindigkeit, Ausführlichkeit und Audio-Ducking.
  • Android O: Die Option zum Vorlesen von Passwörtern ist jetzt eine TalkBack-Einstellung und nicht mehr in den allgemeinen Einstellungen für Bedienungshilfen zu finden. In älteren Android-Versionen bleibt die alte Option bestehen.
  • Neu: Über die Wischgesten nach oben und unten sind nun auch in Native-Apps bestimmte Navigationselemente wie Überschriften und Steuerelemente direkt erreichbar.
  • Während Telefonaten spricht TalkBack nicht mehr dazwischen, sofern der Nutzer den Bildschirm nicht absichtlich berührt. Dies hat vermutlich auch den doch sehr nervigen Fehler behoben, dass TalkBack beim Aufzeichnen von WhatsApp-Sprachnachrichten neu eingehende Nachrichten im selben Chat vorlas, und dadurch nicht nur beim Aufzeichnen für Verwirrung sorgte, sondern auch den Empfänger in den Wahnsinn treiben konnte, wenn sich der Gerätelautsprecher dicht neben dem Mikrofon befand.

Leider haben sich auch wieder neue Fehler eingeschlichen, die hoffentlich in einer der nächsten Versionen behoben werden können. So scheinen einige wenige Apps schwerer oder gar nicht mehr nutzbar zu sein, was vielleicht an geänderten Entwickler-APIs liegen könnte. Im Firefox-Browser funktioniert beispielsweise die Navigation auf Webseiten nur noch über die Wischgesten, nicht aber durch Überfahren der Elemente mit dem Finger. Andere Fehler sind noch immer nicht behoben worden, darunter das altbekannte Auto-Scrolling-Problem in auf Chrome basierenden Browsern. Insgesamt ist TalkBack 6 jedoch ein gelungenes Release, dessen Features die Android-Plattform ein weiteres Stück zugänglicher machen, sodass sie auch für blinde Nutzer längst zu einer ernstzunehmenden Alternative zum Platzhirschen iOS geworden ist.

Über den Autor

Steffen Schultz, ein lichtloser Gelegenheitsblogger aus dem Norden Brandenburgs. Ich bin auf den Betriebssystemen Windows, Linux und Android unterwegs und berichte u. a. über meine Erfahrungen beim Nutzen von Anwendungen mit Zugangstechnologien für Blinde.

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