TeamTalk 5: Erste Alpha-Version der Sprachkonferenz-Software verfügbar

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Nach längerer Entwicklungszeit steht für die Sprachkonferenz-Software Teamtalk eine erste Alpha-Version der neuen Hauptversion 5 zum Download bereit. Wie üblich sind Client und Server für die gängigsten Betriebssysteme verfügbar. Auch ein öffentlicher Test-Server wurde eingerichtet, sofern man nicht selbst einen Server hosten möchte.

Neue Features in TeamTalk 5:

  • Neue Audio- und Videocodecs: Opus ersetzt CELT und WebM ersetzt Theora. Der Speex-Codec bleibt offenbar erhalten.
  • Multimedia-Dateien werden getrennt vom Mikrofon gestreamt, d. h., der Multimedia-Stream kann jetzt auch vom streamenden Teilnehmer selbst mitgehört werden.
  • Neue Rechteverwaltung: Benutzerrechte und Begrenzungen sind nicht länger global, sondern können für jeden Benutzer einzeln festgelegt werden. Auch ist zur Anmeldung jetzt zwingend ein Benutzerkonto erforderlich.
  • Ein neuer Raumtyp erlaubt es, ausschließlich Push-To-Talk-Verbindungen zu akzeptieren, es ist also das Drücken einer Taste zum Sprechen erforderlich, ähnlich dem klassischen Sprechfunk.

Auch einige Änderungen bestehender Funktionen sind zu verzeichnen:
  • Der P2P-Modus wurde komplett entfernt, alle Datenpakete werden also über den Server an alle Nutzer verteilt.
  • Beim Erstellen neuer Räume ist die automatische Lautstärkeangleichung standardmäßig aktiviert, kann aber bei Bedarf natürlich auch abgeschaltet werden. Dies hat jedoch nur auf Mono-Räume Einfluss.
  • Ebenfalls entfernt wurde offenbar die Software-Lautstärke, welche das manuelle Verstärken zu leiser Teilnehmer erlaubte.
  • Der auf Qt basierende Client wurde in Sachen Zugänglichkeit stark verbessert, auch wenn einige Kleinigkeiten noch immer etwas schwierig zu nutzen sind. Für Windows ist der Classic-Client weiterhin verfügbar.

Diese und weitere Änderungen können auf der Webseite im Changelog nachgelesen werden. Wer die neue Version ausprobieren möchte, sollte sich jedoch im Klaren darüber sein, dass es sich hierbei um eine Alpha-Version handelt. Mit dem ein oder anderen Bug muss also gerechnet werden. Auf die ersten Beta-Versionen muss sicher noch einige Monate gewartet werden.

GWConnect: Aus für den alternativen Skype-Client

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Kategorisiert in : Software Schlüsselwörter : A11Y, Microsoft, Skype, Windows

GW Micro, Entwickler des Screen-Readers Window-Eyes, stellt seinen alternativen Skype-Client GWConnect ein. Laut der sehr kurzfristigen Ankündigung ist der Grund hierfür allerdings bei Microsoft zu suchen. Der Support für das SkypeKit, auf welchem GWConnect basierte, lief am 31. Juli aus und ab dem 04. August wird es nicht mehr möglich sein, sich mit SkypeKit-Anwendungen im Skype-Netzwerk anzumelden. Daher wird also auch GWConnect nicht mehr funktionsfähig sein. Jeder, der GWConnect werbefrei nutzen wollte und noch laufende Abos für diese Software besitzt, erhält eine der Restlaufzeit entsprechende Rückerstattung.

GWConnect war der Versuch, einen auf Screen-Reader-Nutzer optimierten Zugang zu Skype zu schaffen, da, so die Entwickler, sich der originale Skype-Client oftmals dramatisch verändert, sodass Anpassungen für Screen-Reader ebenso oft verändert werden müssten, um wieder mit Skype arbeiten zu können. Was für frühere Versionen des Clients vielleicht noch zutreffend war, lässt sich mittlerweile jedoch nicht mehr bestätigen. Zumindest auf aktuellen Windows-Versionen und entsprechend aktueller Zugangs-Software ist Skype mittlerweile seit einigen Hauptversionen auf einem Stand, der sich guten Gewissens als zugänglich bezeichnen lassen kann. Der freie und quelloffene Screen-Reader NVDA ist beispielsweise in der Lage, Skype beinahe vollumfänglich zugänglich zu machen. Ebenso gab es schon länger keine großen Veränderungen mehr im Interface, abgesehen von den nun häufiger auftretenden Werbe-Einblendungen in Chats und Konferenzen.

Wer dennoch nach alternativen Skype-Zugängen sucht, wird es leider immer schwerer haben. Durch den Wegfall des SkypeKits verbleibt nur noch eine API, die aber keinen alternativen Client ermöglicht, sondern nur bestimmte Skype-Funktionen ansprechen kann. So ist es beispielsweise erlaubt, Skype-Kontakte mit Multi-Messengern wie Miranda IM bzw. dessen Fork Miranda NG zu verwalten, die eigentliche Steuerung erfolgt aber weiterhin über einen parallel installierten Originalclient.
Einige blinde Nutzer behelfen sich noch mit der Installation eines älteren Skype-Clients wie etwa der Version 3.8, die noch etwas weniger umfangreich ist als die aktuelle Version. Falls nicht sogar bereits geschehen, dürfte es allerdings nur eine Frage der Zeit sein, bis Microsoft diese veralteten Versionen ebenfalls von der Nutzung des Netzwerks ausschließt.
Weitere Alternativen sind derzeit kaum denkbar, abgesehen vom völligen Umstieg auf ein anderes Netzwerk. Derer gibt es zwar einige, doch darunter ist keines, welches in Sachen Verbreitung und Features an Skype herankommt und erst recht keines, das der allgemein vorherrschenden, mitunter verständlichen "Simplizitis" unter den Nutzern genügen würde.

NVDA: Neue Sprachausgabe mit alten Prinzipien in Entwicklung

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Kategorisiert in : Software Schlüsselwörter : A11Y, NVDA, OpenSource, TTS

Für den freien und quelloffenen Bildschirmleser NVDA (Nonvisual Desktop Access) befindet sich derzeit eine neue Sprachausgabe in der Entwicklung. Diese basiert jedoch auf einer verhältnismäßig alten Technologie, nämlich der Formant-Synthese, wie sie bis in die 90er Jahre hinein für TTS-Systeme noch Standard war. Ein bekannter Vertreter dieses Verfahrens zur Sprachausgabe war die sogenannte Klatt-Synthese (benannt nach ihrem Erfinder Dennis Klatt), die wiederum Sprachausgaben wie Dectalk und Eloquence hervorbrachte, letztere kommt bis heute als Standardstimme des kommerziellen Screen-Readers JAWS zum Einsatz. Doch so überholt die Klatt-Synthese mittlerweile sein mag, so gern wird sie vor allem von blinden Computernutzern immer noch verwendet. Wahrscheinlich vor allem deshalb, weil trotz neuester Entwicklungen auf dem Gebiet natürlich klingender Sprachausgaben die auf Formant-Synthese basierenden Stimmen in Sachen Reaktionsschnelligkeit und Speicherauslastung immer noch um ein Vielfaches überlegen sind. Und genau darauf komt es einem blinden Nutzer an, möchte er seinen Computer ebenso schnell bedienen können wie ein sehender Nutzer. Den etwas synthetischen Klang einer Sprachausgabe nimmt man da bis zu einem bestimmten Grad gern in Kauf.

Warum das Rad neu erfinden?

Bislang wurde als Standardstimme für NVDA die quelloffene Sprachausgabe eSpeak ausgeliefert, die auch auf Linuxsystemen für z. B. den Screen-Reader Orca zum Einsatz kommt. Die Modulation dieser Sprachausgabe ist aber selbst für so manch hartgesottenen Nutzer eher eine Zumutung denn eine Hilfe und erinnert mit ihrem robotischen Klang an schlecht produzierte SciFi-Filme der 60er Jahre. Diese Tatsache lässt viele Nutzer zögern, von ihrem bisherigen Screen-Reader auf eine freie und teils sogar überlegenere Alternative umzusteigen, da dies zusätzlich den Erwerb kommerzieller TTS-Systeme bedeuten könnte, deren zweifelsohne hervorragende Qualität jedoch zu Lasten der Schnelligkeit gehen kann. Zwar gibt es für NVDA mittlerweile sogar ein Eloquence-Addon und des Weiteren die Möglichkeit, über die SAPI-Schnittstelle jede im System installierte Sprachausgabe anzusprechen - somit also auch die als SAPI-Gegenstück zur Eloquence anzusehende IBM ViaVoice TTS -, aber offiziell dürfen diese Stimmen gar nicht mehr zum Download angeboten werden. Es gibt jedoch trotzdem genügend halb-legale Download-Quellen, die sich nach kurzer Recherche im Internet finden lassen.
Hier nun setzt die Idee des NV Speech Players an. Er soll eine Neuentwicklung nach bewährten Prinzipien sein. Auch wenn die Quellcodes der Eloquence und anderer Klatt-Systeme nie öffentlich zugänglich waren, gibt es doch genügend Forschungsmaterialien und Beispiel-Quelltexte, auf Basis derer sich durchaus eine neue, auf der klatt-Synthese aufbauende Stimme erstellen lässt. Und die ersten Ergebnisse können sich durchaus hören lassen: Eine Testversion des NV Speech Players, die bislang jedoch nur Englisch spricht, erinnert schon stark an ihre Vorbilder Dectalk und Eloquence und ist schon jetzt der eSpeak klanglich weit überlegen.

Weitere Informationen über die technischen Hintergründe sowie aktuelle Testversionen des benötigten NVDA-Addons finden sich auf der Projektseite bei Bitbucket.

Ist Javascript das neue HTML?

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Kategorisiert in : Software Schlüsselwörter : A11Y, HTML, Javascript, OpenSource

Es gibt immer mehr Webseiten, die sich ohne eingeschaltetes Javascript kaum oder gar nicht mehr bedienen lassen, obwohl viele der betreffenden Funktionen sich auch ohne Javascript realisieren ließen. Was sich zunächst auf nebensächliche Dinge wie Counter, Statistiktracker oder Banner-Rotatoren beschränkte, weitete sich bald schon auf die eigentlichen Inhalte aus. Bestes Beispiel hierfür sind die immer häufiger anzutreffenden extern gehosteten Kommentarsysteme in Blogs (Disqus etc), die sich ohne Javascript nicht nutzen lassen. Was für die meisten Nutzer kein größeres Problem ist, lässt sicherheitsbewusstere (paranoidere?) Menschen mit dem Kopf schütteln. Und nein, blinde und sehbehinderte Nutzer sind nicht einmal diejenigen, die eine solche Verunstaltung des Webs am meisten trifft, sofern sie nicht auf veraltete Zugangssoftware angewiesen sind oder einen textbasierten Browser nutzen. Auch Suchmaschinen, also eine der grundlegendsten Bausteine des Internets überhaupt, dürften bei der Katalogisierung mancher Webanwendung so ihre Probleme haben.

Nun reiht sich auch die Übersetzungsplattform Transifex in die Ansammlung jener Dienste ein, die Webseitenbetreibern die Arbeit aus der Hand nehmen wollen. Mit Transifex Live, das in einer ersten, nur durch Einladungen nutzbaren Betaversion verfügbar ist, wird das Versprechen gegeben, dass Webseitenbetreiber künftig nur noch eine einzige Zeile Javascript-Code in ihre Webseite einbetten müssten, um internationalen Besuchern die Inhalte in ihrer Sprache zu präsentieren. Für den Betreiber ist somit kein eigenes Coding mehr notwendig und er kann sämtliche Übersetzungen seiner Seite auf Transifex verwalten. Besucht nun ein französischer oder russischer Anwender eine Webseite, werden automatisch die für ihn relevanten Übersetzungen von Transifex abgerufen und angezeigt, sofern verfügbar.

Einerseits eine schöne Idee, die aber auch ihre Tücken haben dürfte. Hat ein Besucher kein Javascript zur Verfügung oder lehnt dies grundsätzlich ab, wird eine mit Transifex verwaltete Webseite vermutlich nur in ihrer Originalsprache dargestellt werden können. Für englische Seiten mag dies noch vertretbar sein, aber welcher Durchschnittsnutzer in Europa spricht z. B. schon Chinesisch? Von den datenschutzrechtlichen Fragen, die sich beim Abrufen der Inhalte ergeben könnten, sei hier mal gar keine Rede.
Die Zugänglichkeit von Webseiten ist also längst nicht nur ein Problem von Blinden und Sehbehinderten, wie die meisten vielleicht denken mögen, auch Sprachbarrieren gilt es zu überwinden. Ob der neue Transifex-Dienst dieser Zugänglichkeit eher entgegenwirken könnte, wird sich zeigen müssen. Noch habe ich keine Webseite gesehen, welche diesen Dienst schon im Einsatz hat. Gesunde Skepsis sei jedem Interessenten aber anzuraten, trotz aller versprochenen Bequemlichkeit.

Icecast 2.4 verfügbar

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Kategorisiert in : Software Schlüsselwörter : Icecast, OpenSource, Streaming

Nach fast zwei Jahren Entwicklungszeit hat die Xiph.ORG-Foundation jetzt eine neue Version des freien Streaming-Servers Icecast freigegeben. Neben vielen Bugfixes und einigen internen Änderungen dürften die wichtigsten Neuerungen wohl die Unterstützung der Formate Ogg Opus und WebM sein sowie ein komplett überarbeitetes Web-Interface, das nicht nur ein besseres Rendering auf Mobilgeräten sowie XHTML-Kompatibilität verspricht, sondern auch einen HTML5-Audioplayer für unterstützte Audioformate mitbringt. Konfigurationsseitig ist es nun möglich, Standard-Werte für alle Mountpoints festzulegen. Konkret bedeutet dies, dass sich z. B. auch für dynamisch erstellte Mountpoints ohne eigene Konfiguration in der Icecast.xml bestimmte Werte voreinstellen lassen, so beispielsweise die Hörer-Authentisierung mittels Benutzernamen und Passwort.

Das komplette Changelog findet sich in den News der Projekt-Homepage sowie in der aktuellen Dokumentation. Icecast 2.4 ist als Quellcode-Paket und Win32-Build verfügbar. Aktualisierte Binärpakete für Linux könnten je nach Distribution noch eine Weile auf sich warten lassen.

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